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Mittlerweile war Charles musikalisch gereift und wurde als großartiger Bassist von den Kollegen und der Fachpresse geschätzt. Im Verlauf des Jahres organisierte Mingus diverse Jazz-Workshops, die als musikalische Experimentierfelder gedacht und immer für Überraschungen gut waren, produzierte für sein Label Aufnahmen mit den Posaunisten Jay Jay Johnson, Kai Winding, Bennie Green und Willie Dennis und veröffentlichte den ersten Tonträger des jungen Pianisten Paul Bley. Für Charles Mingus war es immer immens wichtig, das er und seine Musik vom Publikum richtig verstanden wurden. Im Dezember 1954 bezog Charles, unter dem Titel „Entwicklungen im modernen Jazz“, erstmalig das Publikum ins Geschehen ein. Nach den Stücken konnten alle in der New Yorker Recital Hall Anwesenden Zuhörer, Fragen an die Künstler richten und dem realen Arbeitsprozess einer Jazzband beiwohnen. |
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Mingus ging seinen Weg weiter, produzierte Platten, provozierte Kontroversen und blieb dabei immer wahrhaftig. Der große Durchbruch kam dann im Jahre 1957, als Atlantic Records sein Album Pithecanthropus Erectus veröffentlichte. Hier war erstmalig der originäre Stil von Charles Mingus zu hören: Geschlossene, teils dramatisch wirkende Kompositionen und teils frei improvisierende Solisten ohne den akademischen Ansatz des Cool-Jazz, eher afrikanisch anmutend, stark an Worksongs, Gospel und Blues orientierte musikalische Kunst. Mit der Folgeproduktion „The Clown“ geht Mingus noch einen Schritt weiter in diese Richtung und zeigt, gemeinsam mit dem neuen Drummer Danny Richmond, wozu eine Rhythmus-Section im Jazz fähig ist. Zu einem weiterern Meilenstein der Musikgeschichte war das 1957 eingespielte Album Tijuana Moods, in dem Mingus versuchte seine Eindrücke vom Leben in dieser Stadt zu verarbeiten. Die Aufnahme erschien der Plattenfirma RCA jedoch so revolutionär, dass sie diese erst mal aufs Eis legte und erst fünf Jahre später veröffentlichte. Zu den künstlerischen Erfolgen gesellten sich abermals finanzielle- und daraus folgende weitere Eheprobleme. Mingus hatte vergessen seine Beiträge für die „American Federation of Musicians“ zu zahlen und musste in Folge dessen, sein Plattenlabel „Debut“ auflösen. Gegen Ende des Jahres 1957 gründete aber sofort eine neue Firma mit dem Namen „Jazz Workshop“ und wurde zum dritten Mal Vater eines Sohnes. |
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Im Jahre 1958 nahmen die Auftrittmöglichkeiten für die Mingus Band rapide ab. Keine Agentur wollte Mingus buchen. Mit Mingus zu arbeiten bedeutete Unannehmlichkeiten. Der mittlerweile 36 Jährige Mingus wurde erneut von seiner Frau verlassen und war nun wirklich am Ende. Er fand keine Ruhe mehr, litt unter depressionen, begab sich ohne Erfolg in die Hande eines Psychoanalytikers und sah zum Schluss nur noch in der Überweisung in das Bellvue Krankenhaus den Ausweg aus seinem Dilemma. Im November 1958 wurde er aus der Klinik entlassen und begann sofort wieder zu arbeiten, spielte im New Yorker „Half Note“ u. A. mit Booker Ervin, Horace Parlan und John Handy und erhielt einen Vertrag mit Columbia Records. In dieser Zeit nimmt Mingus zwei weitere bedeutende Alben auf: Mingus Ah Um und Mingus Dynasty. Besonders Mingus Ah Um zählt zu den wichtigsten Schallplattenaufnahmen dieses Jahrzehnts. Auch die Veranstalter waren Ihm wieder wohl gesonnen und die Mingus-Band erhielt wieder Engagements in allen renommierten Clubs. Während eines neunmonatige Gastspiels im New Yorker „Showplace“ stiegen der Trompeter Ted Curson und der Altsaxophonist Eric Dolphy bei der Mingus Band ein und trugen in der Folgezeit maßgeblich dazu bei, das diese Band zu einer der wichtigsten der sechziger Jahre wurde. Das Rhythmusgespann Mingus-Richmond war an Dynamik kaum zu übertreffen und Eric Dolphy unterstrich von Aufnahme zu Aufnahme, von Konzert zu Konzert auf eindrucksvolle Weise sein musikalisches Genie. Ganz gleich ob mit dem Altsaxophon, der Flöte oder der Bassklarinette, Eric Dolphy war eine immense Bereicherung für die Band und die gesamte Jazz-Szene. |
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