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Charles Mingus war einer der herausragendsten Vertreter der afroamerikanischen Kultur. Er hat nicht nur das Bassspiel revolutioniert, als Bandleader nachhaltig zur Modernisierung des Jazz beigetragen, sondern auch das erste Independent-Label der Musikgeschichte ins Leben gerufen und als Autor eine durchaus bemerkens-
werte Autobiografie geschrieben.

„Charles Mingus klang schon „fett“, als es den Ausdruck noch nicht gab“
Roger Willemsen über The Black Saint And The Sinner Lady

Charles Mingus wurde am 22. April 1922 in Nogales in Arizona geboren. Sein Vater war afroamerikanisch – schwedischer Herkunft und hatte eine verhältnismäßig helle Hautfarbe, was Mingus Sen. sehr stolz machte. In der Familie Mingus hielt sich das Gerücht, dass die schwedische Großmutter mit dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln verwand war. Mingus Sen. Arbeitete bis zu seinem 38en Lebensjahr bei der Post, gab dann aber den sicheren Angestelltenjob auf um der US-Army beizutreten. Charles’ Mutter, Sophiea Harriett, war Texanerin und auch Ihre Eltern waren ein gemischtrassiges Paar. Der Vater war britischer Herkunft und die Mutter Chinesin. Da Charles’ Mutter bei seiner Geburt stark erkrankt war, zog die Familie Mingus alsbald nach Watts/Los Angeles. Sechs Monate später starb Mutter Mingus jedoch und hinterließ ihrem Mann die Mädchen Grace und Vivian sowie den sechs Monate alten Charles.

 


  Kurze Zeit später heiratete Vater Mingus erneut. Seine neue Frau, die schwarze Mama Carson, brachte ebenfalls einen Sohn in die Familie. Auch sie hatte einen hellen Teint und war gleichwohl sehr stolz darauf, besonders wenn die Leute sie für eine Mexikanerin hielten. Die Haltung der Eltern war sogar derart radikal, dass sie den Kindern untersagten, mit den schwarzen Kindern aus der Nachbarschaft zu spielen. Die später folgenden Neurosen von Charles Mingus wurden also durch die Eltern regelrecht programmiert. Als Kind war Charles (genannt „Cholly“), Bettnässer und wurde dafür vom Vater regelmäßig windelweich geprügelt. Diese Zeit reflektiert Charles Mingus in seiner Autobiografie „Beneath The Underdog“ sehr anschaulich. Wer also tiefer in die Psyche von Charles Mingus eindringen möchte, dem sei dieses Buch aufs Wärmste empfohlen.    


   

An Sonntagen ging die Familie getrennte Wege. Der Vater ging mit den Töchtern in die Grand Chapel First American Church und die Mutter ging mit den Söhnen in die Holiness Church, welche für ihre Spiritual- und Gospelmusik stadtbekannt war. Der Pfarrer baute die Musik in seine Predigten ein und beeindruckte Charles damit so sehr, dass er sich in seinem späteren Schaffen regelmäßig auf diese Gospel-Roots bezog. Mit acht Jahren wünschte sich Charles sein erstes Musikinstrument, eine Posaune. Zu Weihnachten bekam er sie dann auch geschenkt und eignete sich in den folgenden Monaten die ersten musikalischen Grundkenntnisse an. Hierbei half ihm seine große Schwester Grace. Als sich Charles später beim Chorleiter der Holiness Church, einem Mr. Young, weiterbilden wollte, musste er feststellen, dass Grace ihm, anstatt den Umgang mit dem Bassschlüssel beizubringen, ihm dummerweise den Umgang mit dem Violinenschlüssel beigebracht hatte und er wieder ganz von vorn beginnen musste.

Cholly hörte jeden Tag Radio. Eines Tages gab es dort einen ganz neuen Sound zu hören, und der ließ ihn sein Leben lang nicht mehr los: der Sound des Orchesters von Duke Ellington. Später sagte er dazu, er wäre total außer Rand und Band gewesen: „In der Kirche hatte ich so etwas noch nicht gehört ich war kurz davor aus dem Sessel zu springen.“

 


 

Mit der Zeit verging Charles die Lust am Posaunespiel und er begann Chello zu lernen. Möglicherweise haben seine Eltern ihm den Wechsel zu dem „klassischen“ Instrument nahegelegt, da in ihren Augen ein Chello wesentlich seriöser schien als die Posaune. Ein Mr. Arson, seines Zeichens Reisender in Sachen Musikunterricht, wurde Charles’ Cello-Lehrer und brachte dem talentierten Jungen das Spielen im Schnelldurchgang bei. Mr. Arson verzichtete bei der Unterweisung vollständig auf Noten, brachte ihm aber einige Grifftechniken bei, die einen kräftigen Sound erzeugen und schulte sein Gehör. Ein “Crash Course” in Sachen Jazz, wie Charles später einmal in einem Interview anmerkte.

Auf den Straßen von Watts, einem Stadtteil von Los Angeles, der größtenteils von Schwarzen bewohnt war (und ist) und immer wieder das Zentrum gewalttätiger Auseinandersetzungen war, lernte Charles (auf die echt harte Tour) sich durchzusetzen. Zunächst war er in der Regel das Opfer, da seine Hautfarbe nicht dunkel genug war, um selbst Mitglied der schwarzen Street-Gangs zu sein. Später lernte er etwas Judo und wurde dadurch nicht nur stärker, sondern auch Selbstbewusster.

   


 

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